Testbericht Nikon D750

1)      Einleitung

Meine Hobbyfotograf-Karriere erstreckt sich von den Anfängen mit einer Pentax K-x und später einer K-5II über einen kurzen Ausflug zu Sonys A77 und fast 2 Jahren mit einer Canon 5D Mark III. Aktuell fotografiere ich seit August 2015 mit der OM-D E-M1 von Olympus plus den entsprechenden Pro-Objektiven mit 2.8er Blende (7-14, 12-40, 40-150).
Die Nikon D750, welche ich seit einigen Wochen testen kann, habe mit dem 24-120mm F4G Nikkor Objektiv aus dem Kit.


Hauptsächlich mache ich Landschafts –und Naturfotos, fotografiere aber auch Flugshows wie die Airpower und auf Reisen. Das heißt, ich brauche Objektive von Weitwinkel, über das gute „Immerdrauf-Objektiv“ bis zu guten und schnellen Telebrennweiten.

 

2)      Haptik und Bedienelemente

Wenn ich die D750 einige Zeit in der Hand hatte, kommt mir meine E-M1 wie eine „Spielzeugkamera“ vor. Nicht wegen den Funktionen, sondern aufgrund der Größe. Trotz des erheblich größeren Gewichts und Volumens der D750 liegt diese außerordentlich gut in der Hand, man kann sie einfach sehr sicher halten. Ich hatte bis jetzt kaum so eine ergonomische Kamera in den Händen. Auch die Oberfläche und Lackierung am Body als auch am Objektiv sehen sehr wertig aus und fühlen sich auch so an.

 

Die weißen Beschriftungen der Bedienelemente lassen sich sehr gut ablesen. Im Vergleich zur E-M1 gibt es mehr Bedienelemente mit „Direktzugriff“, wie z.B.: das Drehrad unter dem Moduswahlrad zur Auswahl des Auslösemodus (Einzelauslösung, Serienauslösung langsam/schnell usw.) Durch diese zahlreichen Direktzugrifftasten/Räder ist man in der Bedienung der Kamera wesentlich schneller und muss nicht mehr im Menü herumsuchen oder am Display umherscrollen.
Auch das „Steuerkreuz“ mit dem mittleren OK-Knopf lässt die Bedienung in den Menüs schnell und flüssig ablaufen.

Dass die Tasten links des Displays doppelt belegt sind, stört mich in keinster Weise. Nach einiger Eingewöhnungszeit (welche man natürlich bei jeder neuen Kamera einer anderen Marke benötigt) sind auch diese Tasten blind zu erreichen und man hat die Tastenfunktion im Aufnahmemodus sowie im Wiedergabemodus einfach intus. So ist eine sehr schnelle Anpassung von ISO, Bildqualität und Weißabgleich möglich, was ich so von anderen Kameras nicht kenne. Vor allem die Einstellbarkeit der Bildqualität, ohne in Menüs suchen zu müssen, ist ein super Feature.

 

Nun zu den Tasten oben und vorne am Body. Auch diese sind gut und intuitiv zu erreichen, sogar eine eigene Bracketing-Taste ist vorhanden, welche sich aber auch nach Belieben umbelegen lässt. Weiters finden wir an der linken Seite noch die Taste zum Blitz Aufklappen, die Objektiventriegelungstaste und darunter den Wahlschalter für Auto/Manuellen Fokus, welcher in seiner Mitte die Taste zur Autofokusmoduswahl enthält. Einfach diese Taste gedrückt halten und mit den beiden Einstellrädern und dem Steuerkreuz auf der Rückseite den AF-Modus (Single, Servo, Automatik) und die Messfeldkonfiguration wählen – fertig.


An der rechten Seite des Bodys haben wir noch die Abblendtaste und die FN-Taste. Oben den Ein/Ausschalter mit kombinierten „Lichtschalter“ für das Schulterdisplay und 3 Tasten für die Belichtungskorrektur, Videoaufnahme und Belichtungsmessungsauswahl.

 

3)      Sucher und Display

Wenn man in den vergangenen fast 1,5 Jahren durch das Okular auf ein beleuchtetes, helles Display als Sucher in der E-M1 gestarrt hat, wirkt zugegebener Maßen anfangs der optische Sucher der D750 mit einem F4 Objektiv etwas dunkel. Dies ist aber auf keinen Fall der D750 geschuldet, sondern einfach Gewöhnungssache – ein Display ist eben nun mal hell und hat intensivere Farben.

 

Aber auf jeden Fall ist der optische Sucher der Nikon eine Wucht. Einfach sehr groß und super hell (ohne Vergleich zu einem Display-Sucher). Die Informationen unter dem Bild werden in weißer Schrift eingeblendet und sind klar abzulesen (wären diese unscharf – dafür gibt es natürlich die Dioptrienkorrektur neben dem Okular). Weiters kann man sich die elektronische Wasserwaage und Gitterlinien direkt in das Sucherbild anzeigen lassen. Die Autofokusfelder werden klar und deutlich im Sucherbild angezeigt; beim Fokussieren rot und bei erfolgter Fokussierung schwarz. Ich habe keine Probleme, die Fokusfelder klar zu erkennen. Die Auswahl der Fokusfelder und des AF-Modus erfolgt bei gedrückter Taste (siehe Kapitel 2) mithilfe der 2 Einstellräder und des Steuerkreuzes, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Das Hauptdisplay, welches ebenfalls schwenkbar ist (rauf und runter, nicht zur Seite) weis ebenfalls zu begeistern. Es zeigt Informationen sowie Bilder sehr klar und hell an. Dass es als Schwenkdisplay (ähnlich der E-M1) ausgeführt ist, ist mir besonders bei speziellen Aufnahmeperspektiven und am Stativ wichtig.

 

Klar ist dann der Autofokus, welcher bei Lifeview am Display nach dem Kontrastprinzip funktioniert, nicht mehr der schnellste, was aber bei Landschaften nicht unbedingt stört. Im Lifeview-Autofokus hat da die E-M1 die Nase klar vorne, die ist ja quasi immer im Lifeview; dieser Vergleich ist etwas unfair, da die Nikon eine „normale“ DSLR ist und sich auch an Sucher-Fotografen wendet.

 

Und nicht zu vergessen, die D750 hat, wie es sich für eine DSLR nunmal gehört, auch ein Schulterdisplay, welches immer die wichtigsten Infos parat hat und auch bei den meisten schnellen Einstellungen das rückseitige Display überflüssig macht. Mit einem kleinen Dreh am Ein/Ausschalter lässt sich auch die grüne Hintergrundbeleuchtung einschalten. Klar ist dieses Schulterdisplay etwas kleiner als bei der 5D Mark III und anderen DSLRs, aber dadurch wirkt es weniger überladen und ich hatte nie Probleme, die benötigten Infos nicht angezeigt zu bekommen.

 

4)      Fotos und Geschwindigkeit

Wie schon eingangs erwähnt, kann man so ziemlich alle benötigten Einstellungen unmittelbar und direkt vornehmen. Am Moduswahlrad finden sich die Standardmodi P/A/S/M, 2 Usermodi, Scenen –und Effektmodus, Automatik und Automatik ohne Blitz. Gleich unter dem Moduswahlrad kann man nun den Auslösemodus direkt einstellen. Wieder nur einen Entriegelungskopf nach unten drücken und dann das Rad drehen. Hier haben wir zwischen folgenden Optionen die Wahl: Einzelbild, Serienbild langsam, Serienbild schnell, Einzelbild leise, Serienbild leise, Zeitauslöser und Spiegelvorauslösung.
ISO, Bildqualität, Weißabgleich, Autofokusmodus/felder, Belichtungskorrektur, Belichtungsmessstrategie usw. lassen sich ebenfalls per einfachem Tastendruck und Dreh an einem oder beiden Einstellrädern schnell und einfach einstellen.

 

Die Serienbildgeschwindigkeit ist für mich mehr als ausreichend, auch der Autofokus und die quasi nicht vorhandene Auslöseverzögerung begeistern mich nach wie vor. Weiters ist die Kamera nach dem Einschalten quasi ohne Denkpause sofort einsatzbereit.
Im Vergleich zur E-M1 ist das Auslösegeräusch natürlich lauter, was mich jedoch bei meinem Einsatzbereichen nicht stört. Der Ton, welcher bei erfolgter Fokussierung ertönt, lässt sich in Lautstärke und Tonhöhe einstellen wie auch komplett deaktivieren.

 

5)      Autofokus

Der 51-Feld Autofokus ist schlicht und einfach hervorragend. Die Auswahlmöglichkeiten der Fokusfelder und die Schnelligkeit konnten mich begeistern. Auch die Treffgenauigkeit ist der Hammer. Für mich ist das Autofokussystem der D750 klar über der E-M1 einzuordnen und diese hat schon einen sehr guten AF. Besonders bei Motivverfolgung, Servo-AF und schwierigen Bedingungen wie z.B. bewegtes Objekt vor unruhigem/ungleichmäßigen Hintergrund kann die D750 ihre Stärken klar ausspielen. Selbst bei schummrigen/wenig Licht ist der AF schnell und treffsicher.


Die Verteilung der AF-Felder über das Bild ist für mich breit genug gestreut um super damit arbeiten zu können.
Da ich mit einer DSLR zu 99% durch den Sucher schauend fotografiere ist mir der doch sehr langsame AF im Lifeview kein Dorn im Auge.

 

6)      Bildqualität

Vollformat ist eben Vollformat. Beste Bildqualität und hoher Dynamitumfang, sehr natürliche Farben bei JPG (lässt sich Kameraintern natürlich anpassen) und hohe Bearbeitungsreserven bei RAW. Und das alles auch noch bei hohem ISO. So oder so ähnlich lässt sich die D750 in Bezug auf Bildqualität kurz und bündig beschreiben.
Das Freistellungspotential selbst bei F4 ist beachtlich, mit lichtstärkeren Linsen wird das dann nochmals übertroffen. Hier kann das MFT-Format natürlich nicht mithalten.


Weiters ist der Bildstabilisator im Objektiv ein super Helferlein bei längeren Belichtungszeiten und steht dem der E-M1 (Sensorstabi) in nichts nach. Und wo wir schon bei längeren Belichtungszeiten sind – Nachtaufnahmen oder Fotos in dunklen Räumen meistert die D750 dank Vollformatsensor und geringem Rauschen überaus gut.

 

7)      Fazit

 

Für mich Stand heute die beste Allround-Vollformatkamera, die es gibt. Nicht zu groß, nicht zu wenige Megapixel – aber auch nicht mit Megapixel überladen. Der Autofokus und die insgesamte Geschwindigkeit der Kamera wissen zu überzeugen und lassen keine Wünsche offen. Nikon hat zwar der D750 einige Gimmicks aus dem Mittel- bis Einsteigersegment spendiert (Szene/Effektprogramme) aber dabei die erforderlichen Schnellzugriffe für erfahrenere Fotografen nicht vergessen.


Auch die Haptik und der Kameragriff sind über jeden meiner Zweifel erhaben, vor allem da die Kamera für eine Vollformat nicht zu klobig ausfällt und alles in allem sehr ergonomisch gestaltet ist.